Das Beste am Herbst …

Ich kann es kaum glauben: Unser erstes Jahr in Tennessee ist fast vorüber! Mittlerweile fühlt es sich für uns tatsächlich ein bisschen wie Heimat an (das wäre dann, neben Aschaffenburg und Aachen, unsere dritte). Wir haben wunderbare Freunde gefunden, unsere Arbeit macht uns beiden tierisch Spaß und dieser herrlich rebellische Südstaat zeigt uns immer wieder aufs Neue, wie grandios er ist. Der Winter war zwar etwas kalt, dafür aber sonnig und klar. Perfekt geeignet, um in unserem Häuschen zu werkeln und unsere Küche bis zum geht nicht mehr zu nutzen. Im Frühjahr wurden wir mit vielen warmen Tagen verwöhnt, die wir ausführlich für BBQs, Gartenarbeit und Hiking-Trips genutzt haben. Und dann der Sommer: was will man mehr! Es gab Sonne satt, Parties am See und laue Nächte auf den Dachterrassen Knoxvilles.

Herbst

Und nun, gegen Ende eines fantastischen Jahres, kommt sie endlich, unsere liebste Jahreszeit: der Herbst. Ich kann es kaum erwarten, dass der Kalender mir den 22. September zeigt. An diesem Datum ist Tag-und-Nacht-Gleiche und somit beginnt für mich die dritte Jahreszeit. Vorher ist Sommer, da können die Supermärkte Kürbisse dekorieren wie sie wollen. Ist der Tag aber gekommen, gibt es für mich kein Halten mehr. Jede deutsche und amerikanische Tradition wird zelebriert, die Feste werden gefeiert, wie sie fallen!

Eine wundervolle Möglichkeit das zu tun, sind die unzähligen Feste in den deutschen Weinregionen. Ich selbst komme aus Unterfranken, der Heimat des Bocksbeutels und bin mit Winzerfesten, Weinlese, Häcken-Wirtschaften und Federweißer-Parties aufgewachsen.

Herbst

Wer keinen Bezug zum vergorenen Traubensaft hat, der erfreut sich eventuell mehr daran, böse Geister mit gruseligen bis lustigen Masken zu verschrecken. Natürlich weiß jeder wovon ich hier rede: zum einen vom amerikanischen Halloween, an dem die Kinder mit dem Ruf „Trick or Treat?“ die Straßen Ende Oktober unsicher machen und zum anderem vom deutschen Fasching bzw. Karneval, an dem Narren und Jecken die fünfte Jahreszeit Anfang November mit Hellau und Alaaf willkommen heißen.

Bedächtiger geht es da an Thanksgiving zu. Mit einer großen, familiären Zusammenkunft wird am vierten Donnerstag im November gefeiert. Das Fest der Dankbarkeit hat für Amerikaner (fast) den gleichen Stellenwert wie Weihnachten. Letztes Jahr durften wir diesen besonderen Tag bei zwei sehr lieben Menschen und ihrer Familie verbringen, klassisch amerikanisch. Für die kommende Holiday Season (eine Bezeichnung für Thanksgiving, Adventszeit, Weihnachtszeit und Neujahr) ist unser Plan ein großes Dinner für Freunde auszurichten. Sollten wir nicht im absoluten Chaos untergehen, werde ich euch natürlich darüber berichten.

Wem nicht nach Feiern zumute ist, der kann im Herbst auch anderen Tätigkeiten nachgehen. Beliebt ist sowohl in Deutschland als auch in Amerika das Schnitzen von Kürbissen, von dem ich euch letztes Jahr schon ausführlich berichtet habe.

Herbst

Klassische Herbst Aktivitäten sind daneben auch Wandern in der Natur, die sich nochmal von ihrer schönsten Seite zeigt oder der Gang in die Pilz. Wer das nicht kennt, dem sei gesagt, dass es sich hierbei einfach nur um einen Ausdruck handelt, der den Vorgang des Pilze Suchens im Wald beschreibt.

Wer lieber anderen bei sportlicher Betätigungen zuschaut, der kann sich über den Beginn der Football Saison freuen. Das ist tatsächlich eher amerikanisch, dafür hier aber richtig populär. Jeder, der während dieser Zeit in den Staaten weilt, sollte einmal zu einem Spiel der ansässigen College Mannschaft gehen und sich von einem Meer gleichfarbig gekleideter, skandierender Menschen beeindrucken lassen. Dann noch einen Hotdog und ein Pott Popcorn und drei bis vier Stunden Spaß steht nichts mehr im Weg. Ein Beweis für die Popularität des College Footballs ist die schiere Größe des Stadions der University of Tennessee in Knoxville. Dort erfreuen sich bis zu 106.000 Fans am herbstlichen Spektakel.

Herbst

Bei mir ist im Herbst auch Gartenzeit. Im Sommer war, außer Ernten, Wässern und nochmal Ernten nicht allzu viel zu tun. Jetzt geht es aber wieder richtig los. Die Bäume und Büsche wollen geschnitten werden, Blumenzwiebeln für das Frühjahr im Boden versteckt sein und eine neue Generation von Gemüse in den Hochbeeten ausgesetzt werden. Ich kann es kaum erwarten, mir die Hände so richtig schön dreckig zu machen.

Wer selbst keinen Garten hat, sich aber mit herbstlichen Leckereien versorgen möchte, dem empfehle ich einen Besuch auf dem nächsten Markt. In Deutschland findet man dort an jeder Ecke duftige Waldpilze und auf unserem Farmer’s Market in Knoxville gibt es frisch geerntete Äpfel, z.B. von der Mountain Meadows Farm.

Herbst

Wer Glück hat, so wie wir letztes Jahr, der findet eine Einladung zu einem Fall Farm Dinner, auf einem der umliegenden Bauernhöfe und darf sich mitten auf dem Land von wundervollen jungen Bauern wie Christina und Brian auf ihrer Lacewing Farms verwöhnen lassen.

Der Herbst läutet zwar das Ende des Jahres ein, was jedoch nicht bedeutet, dass die Gärten und Äcker leer sind. Viele Produkten werden erst jetzt geerntet und versorgen uns für lange Zeit mit ihren Erträgen.

Ich denke da vor allem an Äpfel, die jetzt prall und knackig die Äste der Bäume schwer werden lassen. Aber auch Birnen haben Saison. Ich selbst bin kein großer Fan dieser Frucht, da ich immer, wirklich immer, die fünf Minuten verpasse, in denen sie nicht zu hart und nicht zu weich sind. Ich halte mich als unterfränkisches Mädel da doch lieber an die Trauben und ihr herrliches Endprodukt, den Wein. Der, wie wir schon wissen, zu dieser Zeit Hochsaison hat.

Herbst

Wer gerne dekoriert, der kommt momentan nicht an den vielen verschiedenen Kürbissen, bunten Blättern und farbenfrohen Astern vorbei, die diese Jahreszeit zu einem Fest der Sinne werden lassen.

Abseits der Feldfrüchte gibt es noch weitere saisonale Highlights, die der Herbst für uns bereithält: die ersten kalten Tage an denen wir dicke Socken, kuschelige Pullover und Mützen aus dem Schrank holen können. Tschüss warme Jahreszeit, es war schön mit dir!

Auch wenn der Abschied von langen Nächten und lauen Abenden schwerfällt, so freue ich mich im Herbst auf die deftigen, bodenständigen und erdigen Gerichte, die einfach nicht zu Temperaturen über 25 °C passen. Ich denke da an Kürbissuppe und gedecktem Apfelkuchen, an heißen Apfelwein und Federweißer mit Flammkuchen. Herrlich ist auch, nach einer Wanderung mit Freunden durch den nächtlichen Wald, ein Gans-Essen. Und was wäre ein Gans-Essen ohne Rotkraut, eine dunkle Soße und, das wichtigste von allem, Klößen!

Herbst

Ihr seht, ich habe für die nächste Zeit ein reiches Pensum an Ideen, aus dem ich schöpfen kann. Was ich für euch vorbereitet habe, verrate ich noch nicht, aber ich verspreche euch: es wird, wie immer, super lecker und, wie könnte es anders sein, wunderbar herbstlich!

Zum Ende meiner Schwärmereien über die dritte Jahreszeit, möchte ich noch anmerken, dass der Herbst zwar mein Liebling ist, Frühjahr, Sommer und Winter aber ebenfalls klasse sind. Um alle gebührend zu feiern, gibt es jeweils zum astronomischen Beginn der nachfolgenden Jahreszeiten einen neuen Post für euch, vollgepackt mit saisonalen Besonderheiten, tollen Aktivitäten, wunderbaren Festen und die Aussicht auf viele, köstliche Rezepte.

Zum Schluss bleibt mir dann nur noch zu sagen: Fröhlichen Herbst euch allen! Hoffentlich sieht man sich bald auf ein Gläschen Federweißer … oder auch zwei!

PS: Ich bin ja ein schrecklich visueller Mensch. Wem es da genauso geht, für den habe ich auf Pinterest meine Herbst-Inspirationen zusammengestellt. Einfach hier Klicken: SEASON Fall und meiner Pinwand folgen.

 


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