Deutsch-Amerikanisches Brot

Brot ist ein altes Lebensmittel. Es ist schlicht und lecker. Jedes Land hat sein eigenes, typisches Brot. Frankreich hat das Baguette, Italien das Ciabatta, die Türkei das Fladenbrot, …

In keinem anderen Land ist Brot jedoch so ein großes Thema wie in Deutschland. Es gibt allein 300 Sorten. Die Arten, diese zu backen, kann wahrscheinlich niemand zählen. Die Vielfalt ist überwältigend. Bäcker-Läden sind omnipräsent und gutes Brot gibt es um die nächste Ecke.

frisches Brotlaib

Wahrscheinlich wurden wir deshalb vor unserem Umzug nach Amerika oft gefragt, ob wir das deutsche Brot vermissen werden. Prinzipiell dachte ich, es wäre kein Problem für mich. Ich mag Brot, aber als Müsli-Fan gehört es für mich nicht täglich auf den Tisch. Mittlerweile würde ich jedem, der uns besucht für ein Laib Vollkornbrot die Hand küssen.

Es gibt auch hier tolles Brot, jedoch muss man danach suchen und das braucht Zeit. Brot, wie ich es mag, ist relativ teuer und gibt es nur in wenigen Läden, die nicht gerade um die Ecke sind.

Ich hatte also die Wahl. Entweder fahre ich weite Wege und kaufe für viel Geld Brot oder ich backe es selbst. Die Entscheidung ist schnell auf die zweite Option gefallen.

Das Rezept für mein deutsch-amerikanisches Brot möchte ich euch heute zeigen. Schmeißt euch in die Kochschürze, schnappt euch eure Backschüssel und los geht es.

Zutaten für 1 Laib Brot:

150g      Roggenmehl

50 g       Wheat Bran / Weizenkleie

400 g     Bread Flour / Weizenmehl Type 812

2 g         Trockenhefe

1            Prise Zucker

390 g     handwarmes Wasser

10g        Salz

Noch eine Sache vorweg: Brot braucht Zeit, wirklich viel Zeit. Ich fange abends und backe am nächsten Nachmittag. Das sind ca. 20 – 22 Stunden, die sich in Ruhen, Kneten, Dehnen und Falten, Gehen und Backen aufteilen. Die Zeit zum Auskühlen habe ich dabei nicht mitgezählt. Lasst euch davon aber nicht abhalten. Das Resultat ist jede Minute wert.

Los geht es, wie erwähnt, am Abend vor dem Backtag. Vermischt beide Mehlsorten mit dem Salz in einer Schüssel. Grabt ein Loch in die Mitte der Mischung und gebt das Wasser hinein. Streut die Hefe und den Zucker auf das Wasser. Mit einer Gabel verquirlt ihr vorsichtig Hefe und Zucker mit dem Wasser. Dabei kann etwas Mehl in die Flüssigkeit geraten, das ist sogar erwünscht. Legt ein sauberes Küchentuch über die Schüssel und lasst alles eine halbe Stunde ruhen, am besten an einem warmen Ort. Die Hefe beginnt in dieser Zeit zu arbeiten.

Vorteig

Nach der ersten Ruhezeit verrührt ihr die Mischung, bis alle Flüssigkeit verschwunden ist. Gebt den Inhalt der Schüssel auf eine saubere Arbeitsfläche. Jetzt heißt es kneten. Hat der Teigling alles Mehl aufgenommen, knetet ihr noch mindestens 5 Minuten weiter. Das Eiweiß, das den Teig “zusammenklebt” entwickelt sich während des Knetprozesses. Als kleinen Nebeneffekt bekommt ihr schöne Oberarme. Mehlt den Teigling ein und setzt ihn in die Schüssel. Deckt diese mit einem Deckel oder Frischhaltefolie ab und lasst das Brot über Nacht ruhen.

Brotteig in der Schüssel

Am nächsten Morgen hat sich das Volumen des Teigs verdoppelt und ihr könnt mit dem nächsten Schritt starten: Das Dehnen und Falten. Oder wie ich es nenne: Das Hätscheln und Tätscheln. Bemehlt eure Arbeitsfläche möglichst großzügig.  Nehmt den Teig zuerst in die Hände und zieht in vorsichtig auseinander. Legt den Teig ab und dehnt ihn fröhlich in alle Richtungen. Bei einem Teig aus Weizenmehl habe ich es schon auf 50 cm x 100 cm gebracht. Durch das Roggenmehl und die Weizenkleie schaffe ich es bei diesem Rezept nur auf ca.  40 cm x 40 cm. Faltet ein Drittel dieses Teigfladens nach innen und das entgegengesetzte Drittel darüber. Dehnt das Paket nochmal in die Länge. Faltet nun das obere Drittel zur Mitte und legt das untere darüber. Bevor ihr den Teig in eine bemehlte Schüssel setzt, dreht ihn um, so dass die Faltung unten ist. In den nächsten drei Stunden wiederholt ihr das Prozedere vier Mal mit ca. 45 Minuten Abstand.

Brotliebe

Nachdem ihr euren Teig ausgiebig liebkost habt, darf er sich für 4 Stunden ausruhen. Anschließend wird er in die Form gebracht, in der ihr euer Brot backen möchtet und ruht nochmal für 1 bis 2 Stunden. Ich persönlich finde runde Laibe hübsch. Sie erinnern mich an das Brot, das wir immer zuhause hatten, als ich klein war.

Es gibt einen Test um zu prüfen, ob euer Teig fertig für den Ofen ist. Er nennt sich „Fingerprobe“. Ihr drückt den Teig mit einem Finger ein. Springt die Stelle zurück, braucht er noch Zeit bevor er gebacken wird. Ist euer Teig fertig, könnt ihr den Ofen auf 430°F bzw. 220°C vorheizen. Ich streue Mehl auf den Teigling und schneide ihn für eine authentische Optik kreuzförmig ein. So vorbereitet backt ihr das Brot für 55 Minuten.

vor dem Backen

Nehmt das Laib aus dem Ofen und klopft auf die Unterseite. Hört es sich hohl und dumpf an, ist es fertig. Das Brot kann auskühlen. Das Schönste am Auskühlen ist der wunderbare Geruch, der die ganze Wohnung erfüllt und das leise Knistern, dass ihr hört, wenn ihr das Brot an euer Ohr haltet.

deutsch-amerikanisches Brot

Das Rezept ist sicherlich nicht perfekt, aber ich finde mein Brot toll. Es ist nicht trocken, die Krumme ist porig und mit Frischkäse und selbstgemachter Marmelade ist es zum Dahinschmelzen!


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4 thoughts on “Deutsch-Amerikanisches Brot”

  • Hallo Liebe Eva,

    Wir freuen uns diese tollen Bilder zu sehen! Hattet ihr schon Gelegenheit das Brot-Rezept von uns auszuprobieren? Hat es geschmeckt?

    Liebe Grüße und frohe Ostern
    Katharina und Valentin

    • Hallo, ihr zwei,

      Wie schön, dass ihr vorbeischaut. Euer Rezept wird auf jeden Fall noch ausprobiert. Leider haben wir es bis jetzt noch nicht geschafft.

      Liebe Grüße aus dem verregneten Tennessee
      Eva

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