Kräuter-Zwerge

Ich möchte mir dieses Jahr selbst etwas beweisen. Ich habe immer gedacht, ich habe kein Talent, wenn es um Pflanzen geht. Nach intensiver Rücksprache mit passionierten Gärtnern ist das vorbei. Laut den Fachleuten gehören Misserfolge zum Geschäft. Ich starte dieses Jahr deshalb den Versuch Blumen, Kräuter und Gemüse in Hülle und Fülle zu erschaffen. Entweder es klappt und ich kann ernten bis zum Umfallen oder ich war dreckig und hatte viel Spaß.

Den Grundstein haben wir vor ein paar Wochen gelegt und unser erstes Hochbeet gebaut (Bilder und Anleitung vom Bau gibt es demnächst). Seitdem bin ich ganz hibbelig. Ich renne ständig in Gärtnereien, leihe Bücher über Gemüse-, Obst- und Blumen-Anbau in der Bücherei aus und recherchiere im Internet. Am liebsten würde ich sofort alle meine Samen ins Beet werfen und ihnen zurufen: WACHST!

Kräuter-Zwerge im Eierkarton

Leider ist mir durchaus bewusst, dass jede Pflanze ihre Zeit hat um zu wachsen. Und die meisten davon bevorzugen Wärme und Sonnenlicht, beides Mangelware mitten im Winter. Aber kennt ihr auch diese irrationale Aufregung bei etwas Neuem, die einen unglaublichen Energieschub auslöst? Ich mag das, dann fühle ich mich wieder wie eine Fünfjährige, die im Auto sitzt und fragt: Wann sind wir endlich da?

Um meine Energie sinnvoll zu nutzen und meinen Tatendrang zu kanalisieren, habe ich mich für ein kleines Experiment entschieden, dass auch Mitte im Winter möglich ist: Kräuter-Zwerge ziehen.

Bestimmte Kräuter sind ohne große Kosten und Aufwand leicht nach zu züchten. Meine Entscheidung ist auf Rosmarin und Thymian gefallen. Das Experiment könnt ihr leicht nachstellen:

  • Kräuter
  • Schere
  • Eierkarton
  • Anzuchterde
  • Bewurzelungspulver (optional)
  • Sprühflasche

Trennt den Deckel des Eierkartons ab und packt ihn unter das Unterteil. In die Vertiefungen wird die Anzuchterde eingefüllt. Ich habe meine eigene Mischung aus zwei Teilen Blumenerde, einem Teil Sand und einem Teil Perlite hergestellt. Sand habe ich zugemischt, da Kräuter einen kargen Boden bevorzugen. Das Perlit hilft Wasser zu speichern, was bei jungen wurzellosen Pflanzenteilen wichtig ist. Die Zusammensetzung habe ich mir selbst überlegt und gehört mit zum Experiment. Bis jetzt fühlen sich die Kräuter-Zwerge sehr wohl.

Thymian

Habt ihr den Eierkarton befüllt, nehmt ihr euch eine scharfe Schere und schneidet ca. 8 – 10 cm lange Triebspitzen der Kräuter eurer Wahl ab. Sollten Knospen vorhanden sein, entfernt diese vorsichtig. Die Stecklinge benötigen alle Energie zum Wachstum von Wurzeln, da sind Knospen hinderlich. Entfernt die unteren Blätter. Ich habe nur 3 – 5 Blätterpaare stehen lassen. Auch hier gilt: Je weniger Blätter vorhanden sind, umso mehr Kraft kann in die Bildung von Wurzeln gesteckt werden.

Starthilfe

Als kleine Starthilfe könnt ihr die frischen Schnittflächen in Bewurzelungspulver tunken. Das ist kein Muss, beschleunigt jedoch das Anwachsen. Anschließend kommt in jede Vertiefung des Eierkartons ein Kräuter-Zwerg. Zuletzt vorsichtig angießen.

Rosmarin-Zwerg

Haltet die Erde für die nächste Zeit feucht. Ich nehme dafür eine Sprühflasche, mit der ich morgens und abends alles großzügig einnebele. Platziert den Karton an einer warmen, hellen Stelle ohne direkte Sonneneinstrahlung. Am besten an einen Ort, an dem ihr euch oft aufhaltet. So vergesst ihr das Gießen nicht und könnt bei schlappen Zweigen schnell eingreifen.

Wässern der Kräuter-Zwerge

Nach ein paar Wochen haben die Zwerge Wurzeln gebildet und können in einen eigenen, größeren Topf umziehen. Mein Plan sieht vor, die Kräuter ins Freie zu setzen, sobald der letzte Frost überstanden ist. Glücklicherweise leben wir in einem der Südstaaten, das heißt Anfang April geht es los. In Deutschland müsst ihr etwas länger warten, aber dann könnt auch ihr Blumentöpfe bevölkern, Beet-Umrandungen aus Kräuter-Reihen kreieren und vieles mehr.

Ich bin mehr als gespannt, welche Erfolge ich dieses Jahr feiern werde. Sicher ist für mich: einen grünen Daumen muss man sich erarbeiten. Der Weg dorthin führt über Dreck unter den Fingernägeln, Erde an der Latzhose und einen krummen Rücken, dank voller Gießkannen.


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