Laugengebäck – die Königin des Frühschoppens

Laugengebäck

 

Brezeln mit süßem Senf ist mein GoTo-Essen, wenn alle anderen ihre Weißwurst zuzeln. Meiner Meinung nach ist das honigbraune Laugengebäck die Königin am Frühschoppentisch, und nicht die blasse, bayerische Kochwurst, mit ihren irritierenden grünen Sprenkeln. Ich möchte jedoch keinen Streit vom Zaun brechen. Lasst uns lieber davon sprechen, wann die von mir favorisierte Leckerei gegessen wird. Laugengebäck gehört nicht nur in jeden Biergarten, sondern auch zu den vielfältigen Festivitäten, die über das Jahr verteilt stattfinden. Spontan, und weil es vor der Tür steht, fällt mir der erste Mai ein.

An diesem Feiertag haben viele frei, man trifft sich zum bereits erwähnten Frühschoppen und geht anschließend „wandern“ (auch wenn „ein paar Meter laufen“ besser passen würde). Alle sind richtig gut drauf, es wird wild durcheinandergeredet, manchmal sogar gesungen und viel gelacht. Oft ist es einer der ersten warmen Tage des Jahres und der Wald erwacht langsam aus seinem Schlaf. Die Blätter leuchten zartgrün, die Luft ist erfüllt vom Zwitschern der Vögel und die Sonne sprenkelt den Boden mit hellen Lichtpunkten. Sobald dann der Hunger einsetzt, wird sich ein nettes Plätzchen gesucht und ausgepackt, was der Bollerwagen hergibt. Bunte Wiesen werden zu Schauplätzen opulenter Picknick-Szenarien, deren Centerpiece, wie sollte es anders sein, ein großer Korb mit frischem Laugengebäck ist. Noch ein wenig warm, verströmen Brezeln, Brötchen, Stangen und Zöpfe ihren herrlichen Duft, der sich langsam mit dem des frischen Grüns, der warmen Haut und der fröhlichen Stimmung vermischt. Das ist Frühling und Lebensfreude pur!

 

Laugengebäck

 

Laugengebäck ist auch auf andere Weise mit dem ersten Mai verbunden. So gibt es den Brauch, das junge Burschen eine Brezel an die Tür ihrer Angebeteten hängen, um ihre Zuneigung auszudrücken. Einen ähnlichen Brauch, jedoch mit bunt geschmückten Birken, gibt es im Rheinland. Beides finde ich wunderbar kitschig romantisch und auf eine putzige Art verwegen (schließlich wird heimlich etwas an fremden Häusern befestigt, und das meist zur Geisterstunde).

Wie ihr seht, gehört das leckere Laugengebäck einfach zum ersten Mai dazu. Nehmen wir diesen Tag also als Gelegenheit, um uns auf den nächsten Hefewürfel zu schmeißen und entweder für die ganze Gang oder unsere Liebsten zu Backen. Schnappt euch mein Rezept, habt Spaß in der Küche und später Spaß beim Genießen. Damit verbleibe ich, wünsche euch einen wunderbaren Rest des Monats April und einen herrlichen ersten Mai (auch wenn wir uns vorher nochmal hören).

PS: Laugengebäck und Obatzter sind eine fantastische Kombination! Das solltet ihr unbedingt ausprobieren.

 

Laugengebäck

 

ZUTATEN

Für 8 Stück

Zubereitungszeit: 5 Stunden 25 Minuten (50 Minuten Action, 4 Stunden 20 Minuten Ruhezeit, 15 Minuten Backen)

250 g Mehl

150 g + 2 EL + 1 L Wasser

3 g Hefe

1 g Zucker

4 g Salz

20 g Butter

8 TL Natron

Meersalz und Sesam (zum Bestreuen)

ZUBEREITUNG

Butter aus dem Kühlschrank nehmen und klein geschnitten zur Seite stellen.

Mehl und 150 g Wasser erst mit einer Gabel vermischen und mit den Händen verkneten. Den sogenannten Autolyseteig für ca. eine Stunde im ausgeschalteten Ofen ruhen lassen.

Hefe mit Zucker mischen und 2 Esslöffel lauwarmes Wasser hinzugeben. Die Mischung für den Rest der Ruhezeit zum Autolyseteig in den Ofen stellen.

Anschließend das Salz und die aufgegangene Hefe zugeben. Sollte die Mischung zu nass sein, streut etwas Mehl darüber. Den Teig für zwei Minuten kneten, die Butter ebenfalls einarbeiten und für eine weitere Stunde Ruhezeit in den Ofen stellen.

Den Teig nun rundwirken. Das geht am einfachsten, in dem man ihn auf eine bemehlte Arbeitsfläche legt, leicht plattdrückt und dann die Seiten einschlägt. Den Teig einmal wenden (so dass die eingeschlagenen Seiten nach unten schauen) und die entstandene Halbkugel mit den Händen nachformen. Zurück in die Schüssel geben und nochmal 20 Minuten ruhen lassen.

 

Laugengebäck

 

Jetzt wird das Laugengebäck in seine Form gebracht. Zuerst den Teig in 8 Stücke à 60 g teilen. Ich habe mich entschieden drei verschiedene Formen zu machen: Brötchen, Stangen und Zöpfe. Für ersteres die Teigstücke rund schleifen (s. Anleitung zum Brötchenschleifen in meinem Post „Faschingskrapfen aus dem Backofen“). Für die Laugenstangen den Teig zu Rollen formen, die in der Mitte etwas dicker sind als an den Enden. Für die Laugenzöpfe die Teigstücke dreimal teilen, gleichmäßige Rollen formen und diese flechten. Alle Formen auf ein Blech setzen und ein letztes Mal, mit einem Küchentuch abgedeckt, für 2 Stunden gehen lassen.

Für die Lauge Natron mit 1 Liter Wasser mischen und aufkochen. Backofen auf 220 °C vorheizen. Herd ausstellen und das aufgegangene Laugengebäck darin für 30 Sekunden ziehen lassen. Zwischendurch einmal wenden, so dass alle Seiten der Brötchen, Stangen und Zöpfe mit der Lauge Kontakt hatten (das ist wirklich wichtig, sonst werden sie nicht überall so schön braun, wie gewünscht). Herausheben und kurz auf einem Küchenpapier abtropfen lassen.

 

Laugengebäck

 

Laugengebäck auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Brötchen kreuzweise und Stangen zweimal schräg einritzen. Nach Wunsch mit Meersalz und Sesam bestreuen (bitte benutzt kein Meersalz, wenn ihr euer Laugengebäck aufheben oder einfrieren wollt. Die Kristalle schmelzen nach einiger Zeit, weichen die Kruste auf und das sieht unschön aus).

Das Blech auf der mittleren Schiene in den Ofen schieben und 15 Minuten backen. Anschließend das Laugengebäck auf einem Rost vollständig auskühlen lassen.

 

Laugengebäck - die Königin des Frühschoppens

04/16/2018
: 8 Stück
: mittel

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Ingredients
  • 250 g Mehl
  • 150 g + 2 EL + 1 L Wasser
  • 3 g Hefe
  • 1 g Zucker
  • 4 g Salz
  • 20 g Butter
  • 8 TL Natron
  • Meersalz und Sesam (zum Bestreuen)
Directions
  • Step 1 Butter aus dem Kühlschrank nehmen und klein geschnitten zur Seite stellen.
  • Step 2 Mehl und 150 g Wasser erst mit einer Gabel vermischen und mit den Händen verkneten. Den sogenannten Autolyseteig für ca. eine Stunde im ausgeschalteten Ofen ruhen lassen.
  • Step 3 Hefe mit Zucker mischen und 2 Esslöffel lauwarmes Wasser hinzugeben. Die Mischung für den Rest der Ruhezeit zum Autolyseteig in den Ofen stellen.
  • Step 4 Anschließend das Salz und die aufgegangene Hefe zugeben. Sollte die Mischung zu nass sein, streut etwas Mehl darüber. Den Teig für zwei Minuten kneten, die Butter ebenfalls einarbeiten und für eine weitere Stunde Ruhezeit in den Ofen stellen.
  • Step 5 Den Teig nun rundwirken. Das geht am einfachsten, in dem man ihn auf eine bemehlte Arbeitsfläche legt, leicht plattdrückt und dann die Seiten einschlägt. Den Teig einmal wenden (so dass die eingeschlagenen Seiten nach unten schauen) und die entstandene Halbkugel mit den Händen nachformen. Zurück in die Schüssel geben und nochmal 20 Minuten ruhen lassen.
  • Step 6 Jetzt wird das Laugengebäck in seine Form gebracht. Zuerst den Teig in 8 Stücke à 60 g teilen. Ich habe mich entschieden drei verschiedene Formen zu machen: Brötchen, Stangen und Zöpfe. Für ersteres die Teigstücke wie bei den Krapfen rund schleifen (s. Anleitung zum Brötchenschleifen in meinem Post „Faschingskrapfen aus dem Backofen“). Für die Laugenstangen den Teig zu Rollen formen, die in der Mitte etwas dicker sind als an den Enden. Für die Laugenzöpfe die Teigstücke dreimal teilen, gleichmäßige Rollen formen und diese flechten. Alle Formen auf ein Blech setzen und ein letztes Mal, mit einem Küchentuch abgedeckt, für 2 Stunden gehen lassen.
  • Step 7 Für die Lauge Natron mit 1 Liter Wasser mischen und aufkochen. Backofen auf 220 °C vorheizen. Herd ausstellen und das aufgegangene Laugengebäck darin für 30 Sekunden ziehen lassen. Zwischendurch einmal wenden, so dass alle Seiten der Brötchen, Stangen und Zöpfe mit der Lauge Kontakt hatten (das ist wirklich wichtig, sonst werden sie nicht überall so schön braun, wie gewünscht). Herausheben und kurz auf einem Küchenpapier abtropfen lassen.
  • Step 8 Laugengebäck auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Brötchen kreuzweise und Stangen zweimal schräg einritzen. Nach Wunsch mit Meersalz und Sesam bestreuen (bitte benutzt kein Meersalz, wenn ihr euer Laugengebäck aufheben oder einfrieren wollt. Die Kristalle schmelzen nach einiger Zeit, weichen die Kruste auf und das sieht unschön aus).
  • Step 9 Das Blech auf der mittleren Schiene in den Ofen schieben und 15 Minuten backen. Anschließend das Laugengebäck auf einem Rost vollständig auskühlen lassen.

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