Thought of the Week – Camembert in Bayern

Camembert

Diese Woche habe ich über Obatzter geschrieben, den ihr unbedingt probieren solltet, egal ob selbst gemacht oder in einem der wunderbaren Biergärten Süddeutschlands. Der bayerische Klassiker ist wirklich etwas Besonderes, der mich jedoch auch verwundert. Jedes Mal, wenn ich ihn zubereite, stelle ich mir drei Fragen: 1. Was ist Camembert eigentlich? 2. Wo kommt er her? und 3. Wie kommt DER französische Käse in DEN bayerischen Dip? Diese Fragen wollte ich nun endlich beantwortet haben und gehe ihnen deshalb in diesem TOW auf den Grund.

1. Was genau ist Camembert?

Camembert ist ein runder Weißschimmelkäse aus Kuhmilch. Wie das bereits vermuten lässt, hat er eine weiße Edelschimmelrinde. Sein cremiges Inneres ist abhängig vom Reifegrad hell- bis goldgelb. Für die Herstellung des Camemberts wird gesäuerte Rohmilch erwärmt, Lab zugegeben und zum Gerinnen gebracht. Es entsteht die Gallerte, die nicht gebrochen, sondern in Schichten in die Formen geschöpft wird, um einen weichen Käse zu erhalten. Sind die jungen Laibe ausreichend angetrocknet, werden sie rundherum gesalzen und danach mit einem speziellen Edelschimmel behandelt. Danach reifen sie, richtig gelagert, zu dem, was wir als Camembert kennen.

2. Wo kommt der Camembert her?

Der Camembert ist ein französisches Produkt der Normandie. Trägt ein Käse die geschützte Bezeichnung „Camembert de Normandie AOC“ (franz.: Camembert aus der Normandie AOC), wobei AOC für „Appellation d‘origine controlee“ steht (franz.: kontrollierte Herkunftsbezeichnung), so wurde er in der Normandie aus Rohmilch hergestellt. Die Bezeichnung Camembert ist hingegen nicht geschützt und kann somit frei genutzt werden.

Die Geschichte hinter dem schmackhaften Rundling ist die, dass ein Priester aus dem Ort Brie (mehr Käse!!!) während der französischen Revolution in den kleinen Ort Camembert in der Normandie floh und dort bei einer Bäuerin unterkam. Aus Dank für ihre Gastfreundschaft weihte der Priester sie in die Geheimnisse der Käseherstellung ein. Gemeinsam änderten sie den Prozess etwas ab und kreierten so eine neue Käsesorte mit weißer Edelschimmelrinde. Seinen Namen erhielt der Camembert jedoch erst später, als Napoleon den Käse vorgestellt bekam. Der Legende nach fragte er nach seiner Herkunft und entschloss sich daraufhin, den Käse danach zu benennen.

3. Wie kommt DER französische Käse in DEN bayerischen Dip?

Leider konnte ich nichts dazu finden, wie der Camembert nach Bayern gekommen ist. Meine persönliche Erklärung wäre folgende: Napoleon, der Camembert-Namensgeber und -Enthusiast, hatte während des bayerisch-französischen Bündnisses enge Kontakte zum Königshaus des heutigen Freistaats. Er bereicherte damals wahrscheinlich nicht nur den süddeutschen Dialekt (hier zwei feine, kleine Beispiele: franz. / bayer. trottoir = dt. Bürgersteig, franz. plumeau = bayer. Plümo = dt. Bettdecke), sondern auch die bayerische Küche. Von dieser neuen Mode beeinflusst, begannen Ende des 18. Jahrhunderts die bayerischen Käsemacher den französischen Exportstinker neben ihren eignen Varianten herzustellen. Vermutlich handelte es sich dabei weiterhin um ein Luxusgut, das bewusst gegessen wurde. Hatte man Reste, wurden diese mit Butter und Gewürzen vermengt, um sie haltbarer zu machen. Und schon war der Obatzter erfunden. Ich halte das für eine schlüssige Erklärung, werde jedoch weitere Recherchen im Geheimen betreiben. Schlussendlich sind wir Bayern einfach froh, dass es der Camembert zu uns geschafft und unsere Biergartenspeisen um ein weiteres Schmanckerl ergänzt hat.


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