Thought of the Week – Zitrone

Zitrone

Das Wetter hier in Tennessee spielt verrückt: einen Tag haben wir Sonne und es ist super warm, dann schneit es und die Temperaturen fallen auf den Gefrierpunkt, … Aufgrund dieses verwirrten Wetter-Verhaltens habe ich beschlossen, ein kleines Experiment durchzuführen. Seid ihr dabei? Ihr braucht nur etwas Fantasie und eine Zitrone (ok, vielleicht braucht ihr auch noch jemand der den folgenden Text vorliest). Schließt eure Augen und haltet die Zitrone an eure Nase:

Wir stehen an einem einsamen Strand. Der Sand schmiegt sich weich und warm an unsere Füße. Die Sonne versinkt langsam im Meer und flutet den Horizont mit verschiedenen Orange- und Pink-Tönen. Nach einigen Minuten drehen wir uns um und laufen in aller Ruhe Richtung Finca, in der wir für einige Zeit wohnen. Das kleine Natursteinhaus kommt in Sicht. Es scheint uns aus seinem urigen Olivenhain heraus zuzuwinken und auf seine, mit Zitrusbäumen umstandene Terrasse einzuladen. Im Vorbeigehen streifen die Blätter über unsere Unterarme und einem Impuls folgend, strecken wir die Hand aus, um an einer der wunderschönen, jungen Zitrone zu riechen. Ihr frischer Duft steigt uns in die Nase und wir können ihn fast schmecken, so intensiv und köstlich ist er. Nur noch ein paar Wochen, dann sind sie erntereif.

Augen wieder auf, Zitrone runter und herzlich Willkommen zurück beim TOW. Das Experiment ist beendet. Fühlt ihr euch wohl, entspannt und von der Sonne geküsst? Ist eure Antwort Ja, dann seid ihr Teil einer fabelhaften Welt, denn Essen und Genuss hat viel mit Erinnerungen und Assoziationen zu tun. Die Zitrone ist zwar nur eine der Komponenten in diesem Spiel, dafür aber eine wichtige, vor allem für die, denen ich gerade eine neue Erinnerung geschenkt habe. Die gelbe Urlaubsfrucht hebt dank ihrer angenehmen Säure und den aromatischen Ölen nicht nur den Geschmack vieler Gerichte, sie schafft es eben auch, uns für einen mentalen Kurzurlaub in den Süden zu beamen. Ein Spritzer oder etwas Schale und schon haben eure herzhaften und süßen Speisen einen frischen Geschmack, der an Sommer, Sonne und Meer erinnert. Ein einfacher Trick, auch um wohlschmeckende und gut balancierte Gerichte zu zaubern, die euch zurückbringen zu jenem Strand und der Finca. Subtil, aber wirksam!

Einsetzen lassen sich Zitronen auf vielfältige Art und Weise. Klassisch wird der Saft ausgepresst und für Dressings, Gebäck oder zum Abschmecken genutzt. Ihr könnt sie auch zerteilt als Scheiben, Hälften, Viertel, Achtel, etc. hernehmen. Legt die Frucht auf ein Brett und schneidet sie mit einem scharfen Messer in die gewünschte Form. Meine liebste Variante ist es, die Schale (Bio-Qualität!) zu verwerten, da hier die leckeren Öle stecken. Ihr könnt sie mit einer Küchenreibe abreiben, mit einem Zestenreißer Zesten ziehen oder euch Stücke, Spiralen oder ähnliches mit dem Sparschäler oder Messer abschälen. Achtet darauf, nur die obere, gelbe Schicht abzunehmen. Das Weiße darunter schmeckt relativ bitter.

Ich nutze die aromatische Frucht in jeder dieser Formen, sei es in einem leckeren Salat, einem köstlichen Pasta-Gericht oder einem saftigen Stück Kuchen. So träume ich mich einfach in meine liebsten Zitronen-Erinnerungen, die manchmal weit weg sind und manchmal ganz nah. Nächste Woche möchte ich eine davon mit euch teilen. Wohin es geht wird aber noch nicht verraten.

PS: Das mit der Sachlichkeit und den harten Fakten im TOW klappt nicht zu 100%. Ich hoffe, ihr verzeiht mir.


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